Texthelden – ein Projekt mit Hindernissen

Die Seehundklasse der Kastanienschule war für das Projekt „Texthelden“ der Rheinischen Post im Januar 2022 angemeldet. Nicht mein erster Durchgang einer 4.Klasse, die ich zu diesem Projekt angemeldet hatte. Gut, wir mussten in diesem Jahr Abstriche machen – die Fahrt zur Druckerei nach Düsseldorf war leider nicht möglich. Aber die Auseinandersetzung mit einer Tageszeitung hatte ich als interessant und ergiebig für die Kinder in Erinnerung.

In den Weihnachtsferien erhielt ich von der Projektleitung die Nachricht, dass in diesem Jahr keine Papierversion der Zeitung angeliefert werden würde. Ein Schock! Das warf meine ganze Planung über den Haufen. Wie sollte ich das Projekt ohne Zeitung zum Anfassen, Lesen, Zerschneiden und neu kombinieren überhaupt durchführen? 
Na ja, Projektarbeit lebt davon, dass sich der Verlauf nicht wirklich planen lässt und das Projekt flexibel an die Begebenheiten und Bedürfnisse der Kinder angepasst wird.

Also nicht verzagen, anders planen! Es sollte für jedes Kind 2 Zugangscodes geben. Einen konnten die Kinder von zu Hause nutzen, den weiteren würde ich für die Schule benötigen. Fragte sich nur wie? In einer Schule in der die Digitalisierung zwar angelaufen, aber irgendwie stecken geblieben war?

Meine Bestandsaufnahme fiel ernüchternd aus: Im PC-Raum standen nagelneue Bildschirme mit Tastatur und Maus und sogar einem kleinen CD-ROM-Schacht. Nur leider konnten die nicht benutzt werden, sie waren nicht eingerichtet und ließen sich auch nicht durch meinen laienhaften Versuch zum Arbeiten bewegen. 

Der Schülersatz I-Pads sollte funktionieren – zumindest mit den vorhandenen Apps, allerdings ohne WLAN? Ich setzte meine Hoffnung auf das Mini-WLAN im PC-Raum, damit sollte es wohl gehen. Das bedeutete aber eine Gruppenteilung, da nicht genügend Geräte für alle zur Verfügung standen. Sicherheitshalber erlaubte ich den Kindern mit Einverständnis der Eltern ihre privaten Tablets mitzubringen.

Die erste Projektwoche startete gleich nach den Weihnachtsferien und verging ohnedass wir mit der Online-Version der Zeitung arbeiten konnten. Es gab zum Teil Probleme mit den Codes für zuhause. Die RP-App ließ sich zwar offiziell auf die Schüler-I-Pads laden, waren aber dann doch nicht zu finden. Es dauerte 2 Tage bis die I-Pads die Apps geladen hatten. Dazu lagen sie im PC-Raum unter den Tischen, angeschlossen an die Stromversorgung. Das Eingeben der Codes kostete einen weiteren Vormittag – so ein geschenktes Mini-WLAN ist halt nicht das Schnellste.

Leider ließen sich die privaten Tablets der Kinder nicht in das Mini-WLAN einloggen, das war mit den ladenden Schüler-I-Pads bereits überlastet. Nur die Kinder, die während der Lockdown-Notbetreuung ihr Tablet bereits eingeloggt hatten, konnten in dieser ersten Woche die App in der Schule nutzen. 

Wir näherten uns also zunächst ganz allgemein dem Thema Zeitung, sprachen über unser Vorwissen, suchten Begriffe & ihre Erklärungen, lernten verschieden Textsorten in Zeitungen kennen und erklärten diese in Kurzvorträgen.

In der zweiten Projektwoche war die Technik dann bereit. Die Kinder durften mit den Schüler-I-Pads in der Onlineversion der RP lesen. Das ging nur mit geteilter Gruppe, weil das Mini-WLAN mit mehr als 8 Geräten überfordert war und die App häufiger einfach hängen blieb. 

Ab diesem Zeitpunkt arbeiteten etwa 2-3mal pro Woche die eine Hälfte Kinder für 20-30 Minuten in der RP-App im PC-Raum, während die restliche Gruppe in der Klasse an anderen Arbeitsaufträgen arbeitete. Während der Lernzeit durften die OGS-Kinder die Tagesaufgabe nach Bedarf zu Ende bringen, dazu mussten sie sich jedoch in den Flur vor den PC-Raum stellen – da hatten es die Kinder zu Hause sicher gemütlicher.

Wie erwartet war die Motivation der Kinder sehr hoch. 

Sie untersuchten den Aufbau der Zeitung, lasen Zeitungsartikel aus dem Lokalteil und berichteten über deren Inhalt vor der Klasse. 

Sie schrieben Briefe an Menschen, die ihnen in der Zeitung begegnet waren. Sie planten Interviews mit Mitschülern, führten diese durch, schrieben danach ein Portrait über das Kind und tippten es zu Hause in den Computer. Die Fotos dafür entstanden im Kunstunterricht. So wurde der Grundstein für die Abschlusszeitung der Seehundklasse gelegt.

In der dritten Projektwoche lasen die Kinder Artikel in der Zeitung und stellten Fragen zum Inhalt, die dann ein anderes Kind am nächsten Projekttag beantworten sollte.

Auch die freie Online-Version der RP wurde in den Blick genommen: Die Kinder informierten sich über Zoos und verfassten kleine Reportagen zu einem imaginären Zoobesuch.

Dann war die offizielle Projektzeit Anfang Februar vorbei und die Arbeit an der RP-Online wurde eingestellt.

Doch noch ist das Projekt nicht zu Ende: Wir bilden uns eine Meinung und schreiben Leserbriefe zu Artikeln aus der Kruschelpost (Kinderzeitung der Rheinischen Post).

Es stehen noch viele Ideen für unser Abschlusszeitung an, die vorbereitet, umgesetzt und in digitale Form gebracht werden sollen. Denn schließlich sind die Seehunde nun Zeitungsprofis – allen Hindernissen zum Trotz.

(von E. Rubart, Klassenlehrerin der Seehundklasse, 25.02.2022)